E-Autos aus China werden auch in Deutschland beliebter

Die Autohersteller leiden nach wie vor unter den Folgen der Coronapandemie. Vor allem die sogenannte Chipkrise, die schleppende Produktion von Halbleitern, macht der Branche schwer zu schaffen. Das bekommt auch die Elektromobilität zu spüren, die ja erst vor zwei Jahren so richtig Fahrt aufgenommen hat. JATO Dynamics hatte Ende 2020 den Markt für E-Autos mit batterieelektrischem Antrieb (BEVs) und Plug-In-Hybridmodelle (PHEVs) analysiert. Damals stammten mehr als die Hälfte der in Deutschland zugelassenen E-Cars von deutschen Marken – Fahrzeuge aus China spielten bei uns so gut wie keine Rolle. Das beliebteste Elektroauto der Deutschen kam damals aber überraschenderweise aus Frankreich: der Renault Zoe. Erst auf Platz zwei folgte mit dem VW e-Golf ein deutsches Fabrikat.

Doch bereits im vergangenen Jahr fiel das Wachstum trotz zahlreicher neuer Modelle deutlich schwächer aus als in den Jahren davor. Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Wie hat sich der Markt entwickelt, welche E-Autos haben sich in den ersten fünf Monaten besonders gut verkauft? Kommt der Spitzenreiter immer noch aus Frankreich? Und spielen Modelle aus China mittlerweile eine Rolle?

Vormaliger Bestseller nur noch auf Platz 10

Knapp 250.000 BEVs und PHEVs wurden zwischen Januar und Mai 2022 in Deutschland zugelassen. Davon stammten zwar nur noch knapp 46 Prozent von deutschen Herstellern, aber das ist immer noch mehr, als auf die drei nächsten Herkunftsländer USA, Frankreich und Südkorea mit knapp 32 Prozent zusammen entfiel. Beliebtestes Modell war aber mit vier Prozent Marktanteil ein Amerikaner: der Tesla Model 3, von dem in den ersten fünf Monaten gut 10.000 Stück verkauft wurden. Ihm folgten mit jeweils um die drei Prozent Marktanteil der Fiat 500 mit 8.300 verkauften Einheiten, Ford Kuga mit fast 7.600 Zulassungen sowie Cupra Formentor und Hyundai Kona. Der einst so beliebte Renault Zoe hat womöglich seinen Zenit überschritten. Der kleine Franzose schaffte es mit knapp 5.000 Einheiten gerade noch in die Top 10.

Das ist umso erstaunlicher, da der Tesla mit einem durchschnittlichen Preis über alle Modellvarianten hinweg von 54.000 Euro fast 18.000 Euro teurer ist als der Zoe. Doch der zweitplatzierte Fiat 500 rückt die Verhältnisse wieder gerade: Er kostet im Durchschnitt nur knapp 33.000 Euro. Drei der zehn bestverkauften Modelle waren PHEVs, die mit Durchschnittspeisen um die 45.000 Euro eher zu den teuren Fahrzeugen unter den Top 20 der Zulassungen zählen. Doch Hybridmodelle in großer Stückzahl dürften bald der Vergangenheit angehören, denn Ende des Jahres läuft die staatliche Förderung dafür aus. Bemerkenswert: Das erfolgreichste E-Car aus Deutschland war eines, das bereits seit 2013 produziert wird – der BMW i3 auf Platz 8 der Zulassungsstatistik. Wesentlich modernere Typen wie die ID.3 und ID.4 von Volkswagen, der Smart Fortwo oder der Ioniq 5 von Hyundai kamen auf wesentlich geringere Stückzahlen. Das könnte jedoch an den derzeit sehr langen Wartezeiten zahlreicher Modelle gelegen haben.

Chinesische Hersteller haben ihre weltweite Marktführung ausgebaut

Dass seit 2020 die Anzahl neuer Modelle rasant gestiegen ist, lässt sich auch am Ranking erkennen: Entfielen im letzten Vergleich noch gut 41 Prozent der Zulassungen auf die zehn meistverkauften Modelle, so waren es in diesem Jahr nur noch etwas mehr als 26 Prozent. Nur zwei Modelle unter den Top 10 stammten von deutschen Marken, acht unter den Top 20.

Und wo sind die Elektroautos aus China? Haben sie in den vergangenen zwei Jahren aufgeholt oder den einen oder anderen Kontrahenten gar überholt? Weltweit betrachtet geben die Chinesen mittlerweile das Tempo vor: 37 Prozent Marktanteil zwischen Januar und Mai, gefolgt von Deutschland und den USA mit jeweils 20 Prozent. Sechs der zehn meistverkauften Modelle kamen aus dem Reich der Mitte – und die Hälfte unter den Top 20. Das macht fast eine Million Fahrzeuge. Einzig Tesla kann da mithalten: Von den Amerikaner kamen mehr als 873.000 Fahrzeuge (Model 3 und Y) im Top 20 Ranking. Dagegen fallen die 144.000 deutschen E-Autos (VW ID.3/4) kaum ins Gewicht.

In Deutschland sieht die Sache dagegen anders aus. Hier spielen Elektroautos aus China immer noch eine Nebenrolle. Doch im Vergleich zu 2020 kamen sie immerhin auf einen Marktanteil von rund zweieinhalb Prozent. Der chinesisch-schwedische Polestar 2 (BEV) und der MG HS (PHEV) konnten mit jeweils gut 2.000 Zulassung nennenswerte Stückzahlen erreichen. Aber die anderen Hersteller wie Aiways, Lynk & CO oder Maxus stehen schon in Lauerstellung. Und Great Wall Motors hat bereits angekündigt mit seinen Marken ORA und WEY nach Deutschland zu kommen. Vertrieb und Service übernimmt eine große schweizerische Händlergruppe. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann auch bei uns chinesische E-Autos zum alltäglichen Straßenbild gehören werden.

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Ein Kommentar

  • Autogaragen in St. Gallen aufgepasst! Nicht den Elektromobilitätstrend verpassen. China drängt mit seinen Produkten auch im E-Bereich in den EU Markt. Fragt sich nur, ob der Preis auch die Qualität widerspiegelt. Bin gespannt was die Tests so sagen.

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