Luxusklasse verliert deutlich an Popularität

Wer hierzulande Luxuslimousine sagt, denkt wahrscheinlich nicht zuerst an Bentley oder Rolls Royce. Den meisten kommt beim Gedanken an Luxusklasse wohl eher ein anderes Modell sofort in den Sinn: die S-Klasse von Mercedes. Spätestens seit den frühen 1970er Jahren gilt dieses Auto als Inbegriff von Luxus, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Wertbeständigkeit auf vier Rädern. Sowas nannte man früher Staatskarosse. Bis heute ist die S-Klasse das Auto, mit dem die meisten innovativen Technologien auf dem Markt kommen, die sich anschließend auch in den anderen Segmenten wiederfinden.

Zu Vergleichstests traten anfangs bestenfalls Jaguar XJ oder Opel Diplomat an, weil die Bentleys und Rolls Royce doch in einer anderen Preisliga spielen. Erst Ende der Siebziger schickte BMW mit dem 7er einen weiteren Konkurrenten ins Rennen. 1994 kam dann mit dem A8 von Audi ein neuer Herausforderer hinzu. XJ und Diplomat sind längst verschwunden. Und so gilt heute überall auf der Welt das Trio aus Süddeutschland als Krönung des Serienlimousinenbaus. JATO Dynamics hat sich deshalb die Evolution der drei Überflieger einmal genauer angeschaut und die Veränderungen seit 2002 analysiert.

Zunächst einmal fällt auf: Alle wurden größer. Alle wurden schwerer. Und alle wurden teurer. Und noch etwas ist bemerkenswert: Von allen drei werden immer weniger verkauft. Das ist erstaunlich, stammen die aktuellen Modelle doch aus unterschiedlichen Epochen. Den BMW (G11) gibt es bereits seit 2015, den Audi (D5) auch schon seit 2017, nur der Mercedes (W223) wurde erst im letzten Jahr eingeführt.

Doch es gibt noch mehr Unterschiede. Vor allem die Anzahl der angebotenen Versionen variiert stark. 2002 gab es vom A8 nur zwei Versionen – mit 3,7 und 4,2 Liter Hubraum und nur als Benziner. Heute gibt es elf Varianten, mit drei bzw. vier Litern Hubraum, aber als Diesel und Benziner, als Mild- und Plug-In-Hybrid. Der BMW 7er ist heute in 15 Versionen bestellbar. Die Motorisierung reicht vom 3-Liter-Diesel bis zum V12 mit 6,6 Litern und es gibt ihn auch als Plug-In. Vor 19 Jahren waren es nur sieben Varianten mit Hubräumen zwischen 3,6 und sechs Litern. Ganz anders dagegen die S-Klasse. Konnte man 2002 unter nicht weniger als 16 verschiedene Versionen wählen, so sind es heute nur noch bescheidene sechs Varianten – alles Benziner.

7er BMW mit geringstem Wachstum

Weitaus spannender sind die Veränderungen beim Gewicht. War der Audi 2002 mit gut 1.800 Kilogramm geradezu ein „Leichtgewicht“, so ist er heute mit 2.175 kg das schwerste der drei Modelle. Anders herum der Verlauf beim 7er: Er war Anfang der 2000er Jahre mit knapp zwei Tonnen der schwerste und ist heute mit 2.070 kg der leichteste im Feld. Zwischenzeitlich hatte er mal richtig abgespeckt: 2016 wog der BMW sogar unter 1.950 kg. Die S-Klasse lag 2002 bei gut 1.900 kg und wiegt heute knapp 2,1 Tonnen. Fast schon selbstverständlich, dass auch die Außenmaße der Kandidaten im Laufe der Zeit zugenommen haben – vor allem der Audi ist im Laufe der Jahre ordentlich gewachsen. Alle Modelle sind länger als 5,20 m und breiter als 1,90 m. Einzig der BMW hat Maß gehalten: Der 7er ist heute noch exakt genauso breit und gut zwei Zentimeter niedriger.

Ihrer Popularität scheint das alles nicht sonderlich gut getan zu haben. Die Zulassungszahlen gehen seit 2002 stetig zurück, wenn auch unterschiedlich stark. Das mag an der zunehmenden Zahl an Elektrofahrzeugen aus dem Luxussegment, wie Tesla Model S, Polestar 2 oder dem neuen Mercedes EQS liegen. Es liegt aber sicher auch am Preis. Der ist nämlich – technischer Fortschritt hin oder her – kräftig gestiegen. Kosteten die Einstiegsvarianten vor 19 Jahren noch zwischen knapp 59.000 und rund 66.000 Euro, so ist der Preis bei allen drei Modellen auf mehr als 90.000 Euro angestiegen. Am „günstigsten“ war letztes Jahr der 7er BMW mit 90.200 Euro. Der A8 kostete schon 4.000 Euro mehr und die S-Klasse gab es erst ab 101.400 Euro.

Da sinkt irgendwann mal selbst der hellste Stern. Wurden 2002 noch mehr als 10.000 Stück abgesetzt, kam der Über-Mercedes im vergangenen Jahr auf gerade einmal knapp 3.900 verkaufte Einheiten. 2006 fand er sogar noch rund 11.000 Käufer. Auch der Absatz vom 7er hat ordentlich nachgelassen: Rückgang von fast 9.000 auf knapp 3.000 Stück. Und der Audi? Er musste Absatzeinbußen um rund 1.700 Einheiten hinnehmen, von gut 4.000 im Jahr 2002 auf 2.300 verkaufte Modelle.

Auch wenn die S-Klasse seit Jahrzehnten und mit jeder neuen Generation immer wieder als Benchmark des Segments gilt, so hat ihre Beliebtheit doch, wie die des gesamten Trios, deutlich nachgelassen. Ob ihre elektrifizierten Nachfolger das wieder ändern können, wird spannend zu beobachten sein. Denn die – vermeintlich umweltschonendere – Konkurrenz wird größer. Vor allem die Start-ups unter den E-Fahrzeugherstellern drängen mit Macht ins Luxussegment.

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