Elektroautos: Die Konkurrenz aus China schläft nicht

Chinesische Elektroautos erhalten gerade sehr viel Aufmerksamkeit in unseren Medien. Das liegt zum einen an Strafzöllen, die die Europäische Union gegen die E-Cars „Made in China“ verhängt hat. Die Regierung in Peking erklärte die Elektroautoindustrie zur Schlüsselbranche und versorgt sie mit günstigen Krediten staatlicher Banken. Entwicklung, Produktion und Verkauf der Stromer werden aber auf vielen Ebenen unterstützt. Deshalb können die Fahrzeuge sehr günstig angeboten werden. Für Europas Autohersteller könnten die Zölle zwar kurzfristig einen Vorteil gegenüber chinesischen Konkurrenten bedeuten. Dass sie Volkswagen, Mercedes und Co. aber dauerhaft nutzen, ist zu bezweifeln. Eher ist davon auszugehen, dass die Chinesen ihre Produktionskapazitäten in Europa erhöhen oder Partner für die Auftragsfertigung suchen – und werden so womöglich noch konkurrenzfähiger.

Die Aufmerksamkeit liegt aber auch am stockenden Absatz von E-Autos in Deutschland, seitdem die Bundesregierung die Förderung Ende letzten Jahres eingestellt hat. Lange Zeit waren chinesische Autos in Deutschland so gut wie unverkäuflich – vor allem aus Sicherheitsgründen. Aber sie sind besser geworden, und zwar erheblich, wie zahlreiche Crashtests zeigen. Da kommen den bereitwilligen Kunden, die jetzt ein E-Auto kaufen wollen, die günstigen Modelle aus dem Reich der Mitte womöglich gerade recht. Immer mehr Deutsche können sich laut Umfrage des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) mittlerweile vorstellen, ein chinesisches Auto zu kaufen. Bei denen, die den Kauf eines vollelektrischen Pkw planen, liegt die Kaufbereitschaft nach Angaben des ADAC sogar bei 80 Prozent.

Die Datenanalysten vom Automobilmarktforscher JATO Dynamics haben sich deshalb einmal angesehen, wie sich der Absatz von Marken wie Geely, BYD oder MG bei uns seit 2020 entwickelt hat: Wie hoch ist deren Marktanteil mittlerweile? Welche Antriebsarten werden angeboten? Und wie viele Modelle werden mit Verbrennungsmotor bzw. mit Elektroantrieb verkauft? Zudem vergleichen wir die Situation mit anderen europäischen Ländern.

Verhaltener Verkaufsstart

2020 setzten chinesische Hersteller in Deutschland, dem wichtigsten Elektroautomarkt Europas, nur ein einziges batteriebetriebenes Fahrzeug (BEV) ab. Der Gesamtmarktanteil der BEVs lag damals bei uns jedoch auch erst bei drei Prozent, mehr als 84 Prozent entfielen noch auf Pkws mit Verbrennungsmotor. Bis Oktober 2020 kamen gerade einmal acht weitere E-Autos aus China hinzu. Ab Januar 2021 verkauften die Chinesen dann hierzulande auch Plug-In-Hybride (PHEV) – bis Ende 2022 je nach Monat mal mehr BEVs, mal mehr PHEVs. Im Dezember 2021 waren drei von vier chinesischen E-Autos Plug-Ins.

Seit Mitte 2022 nimmt auch langsam der Verkauf an Verbrennern aus China zu. Anfangs nur marginal, mittlerweile mit höheren Absatzzahlen. Im März dieses Jahres betrug der Marktanteil an den chinesischen Marken bereits mehr als 38, im August dann nur noch 17 Prozent. Seit Anfang 2023 spielen Hybrid-Fahrzeuge aus China kaum noch eine Rolle. Der Marktanteil der HEVs und PHEVs liegt in Deutschland seitdem jeweils im einstelligen Prozentbereich. Andere Modelle wie Mild-Hybride oder die in China beliebten Elektro-Pkw mit benzinbetriebenem Range-Extender zur Reichweitenverlängerung bieten BYD & Co. bei uns derzeit nicht an.

„Der Verkauf der Pkws aus China nimmt in Deutschland stetig zu, wenn auch mit monatlich stark schwankenden Absätzen bei insgesamt noch niedrigen Stückzahlen“, sagt Eric Haase, Managing Director von Jato Dynamics in Deutschland. In den ersten acht Monaten dieses Jahres kamen gut 16.000 der fast 242.000 bei uns zugelassenen vollelektrischen Pkws aus China. „Der Absatz an Verbrennern bewegt sich dagegen durchschnittlich nur im unteren dreistelligen Bereich pro Monat – schlechter verkaufen sich nur Modelle mit Hybridantrieb“, sagt Haase.

In Südeuropa laufen Verbrenner besser

Genau entgegengesetzt sieht es in Ländern wie Spanien, Italien oder Rumänien aus. Dort finden mittlerweile chinesische Benziner mehr Abnehmer als die Elektroautos von Nio, Geely oder Link. Auf der iberischen Halbinsel wurden von Januar bis August 2024 knapp 4.100 BEVs aus China verkauft, aber fünf Mal so viele Verbrenner. Hybride kamen auf gut 1.900 Zulassungen. Vergleichbar verlief die Entwicklung in Italien. Auch dort entschieden sich deutlich mehr Kunden für Verbrennerfahrzeuge. Und auch hier finden sich signifikante Verkaufszahlen erst seit Anfang 2022. In Rumänien werden ebenfalls mehr chinesische Benziner und Diesel als E-Autos abgesetzt, wenn auch auf einem wesentlich niedrigeren Niveau.

In Schweden, Vorreiter in Sachen Elektromobilität und bei der Antriebswende bereits weiter gekommen als Deutschland, verkaufen die Chinesen so gut wie überhaupt keine Verbrenner, aber verhältnismäßig ordentliche Stückzahlen an BEVs und PHEVs. Von den knapp 6.800 batterieangetriebenen Stromern, die im August dieses Jahres dort zugelassen wurden, stammte immerhin fast jeder zehnte aus chinesischer Produktion. In den besten Monaten waren es sogar mehr als 2.000. In Deutschland lautete das Verhältnis im August dagegen 27.021 zu 721. Das sagt alles. „Vermutlich wird das die Hersteller aus Fernost aber nicht beeindrucken“, sagt Eric Haase. „Wenn der Absatz an Elektroautos in Deutschland weiter stockt, werden sie eben versuchen stärker mit Verbrennern und Hybridmodellen in den Markt zu kommen. Die Erfahrungen aus den anderen europäischen Ländern werden ihnen dabei sicher hilfreich sein.“

Mehr zu JATO und den Produkten finden Sie hier.

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