Das Comeback der Range Extender

Als Anfang der 2010er Jahre die E-Mobilität ins Rollen kam, sollten Elektrofahrzeuge mit Range Extender (EREV) die Sorge vor frühzeitigem Liegenbleiben wegen leergefahrenem Akku nehmen. Eigentlich eine gute Idee. Opel brachte 2012 mit dem Ampera eines der ersten EREVs auf den deutschen Markt. Er konnte bis zu 80 Kilometer rein elektrisch fahren, dann sprang ein Benzinmotor an und lieferte Strom für weitere 500 km.

Ein Jahr später zog BMW mit dem batterieangetriebenen i3 nach, der ebenfalls mit Reichweitenverlängerer, wie Range Extender übersetzt heißt, bestellt werden konnte – allerdings nicht in Europa. Bei uns haben sich EREVs dennoch nie so richtig durchgesetzt – und verschwanden fast so schnell, wie sie gekommen waren. Sie galten deshalb schlicht als Brückentechnologie.

Doch jetzt sind sie wieder da. Range Extender erleben gerade eine Renaissance. Zumindest in China. Vor allem für Langstreckenfahrer und in Regionen mit unzureichenden Lademöglichkeiten bleiben EREVs eine praktikable Alternative. So sind Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern möglich – und damit in etwa doppelt so viel wie mit durchschnittlichen batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV).

Einfache Technik – mehrere Vorteile

Beim Range Extender treibt meist ein kleiner Benzinmotor einen Generator an, der während der Fahrt Strom für die Antriebsbatterie des Elektroautos erzeugt. Anders als bei einem Hybridfahrzeug treibt der Motor üblicherweise nicht die Räder an. Er läuft meist im lastoptimalen Drehzahlbereich, wodurch der Verbrauch geringer ist, als wenn er zum Antrieb genutzt wird. Das Fahrzeug fährt sich wie ein E-Auto, mit allem, was dazu gehört. Und die Antriebstechnik fällt simpler und damit kostengünstiger aus als in einem Plug-in-Hybrid.

Was in China klappt, könnte eigentlich auch bei uns funktionieren. Ist die Zeit jetzt also reif für ein Comeback in Europa? Können EREVs vielleicht sogar für einen neuen Schub bei der Elektromobilität sorgen? Denn neben dem Preis ist die „Reichweitenangst“ nach wie vor das Hauptargument der Autokundschaft gegen das E-Car – obwohl sie objektiv schon lange kaum noch zu begründen ist. Auf der anderen Seite brauchen aber auch die Autohersteller neue und attraktive Modelle mit niedrigen Verbräuchen für den europäischen Markt, sonst drohen bald Strafzahlungen für zu hohe CO2-Flottengrenzwerte.

In Deutschland spielen EREVs keine Rolle

Die Datenanalysten vom Automobilmarktforscher JATO Dynamics haben einmal den Absatz von EREVs in Deutschland und China seit dem Jahr 2019 miteinander verglichen: Wie hoch ist deren Marktanteil mittlerweile? Und wie sieht es im Vergleich mit anderen Antriebsarten aus? Wie viele Modelle wurden in dem Zeitraum mit Verbrennungsmotor bzw. mit Elektroantrieb verkauft?

Vor sechs Jahren wurden in Deutschland mehr als 3,2 Millionen Pkws mit Verbrennungsmotor und knapp 298.000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Davon waren 63.000 BEVs und gut 45.000 Plug-In-Hybride. Aber nur 265 Fahrzeuge mit Range Extender. In den Folgejahren waren es sogar noch weniger EREVs, wohingegen der Absatz an reinen E-Cars, Mild- und Plug-In-Hybriden stark zunahm. Benziner und Diesel verkauften sich dagegen immer schlechter. 2023 und 2024 kamen die Verbrenner nicht einmal mehr auf 1,5 Millionen Zulassungen pro Jahr. Immerhin stieg aber wieder die Zahl der Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer. Letztes Jahr rollten gut 1.100 neue Modelle mit Range Extender auf deutsche Straßen. „Gemessen an den mehr als 1,3 Millionen Elektrofahrzeugen, die 2024 bei uns zugelassen wurden, ist das allerdings nichts. Das sind nicht einmal 0,1 Prozent“, sagt Eric Haase, Managing Director von JATO Dynamics in Deutschland.

China wieder mal Vorreiter

Ganz anders sieht die Sache dagegen in China aus. Auch hier spielten die EREVs bis 2021 so gut wie keine Rolle. Batterieangetriebenen Elektroautos hatten da schon einen Marktanteil von 11,3 Prozent. Und im Jahr darauf war bereits fast jeder fünfte Neuwagen ein BEV. Der Marktanteil der Range Extender betrug dagegen erst 1,2 Prozent – machte aber eins deutlich: Hier beginnt ein Trend. Denn schon ein Jahr später hatte sich der Anteil mehr als verdoppelt und nahm damit schneller zu als von den vergleichbaren Plug-In-Hybriden. Und der Boom ging ungebremst weiter. „Im Jahr 2024 konnte China bereits eine Million EREV-Zulassungen verzeichnen“, sagt Haase. „Das ist ein Wachstum von sagenhaften 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Damit lag der Marktanteil der Range Extender bereits bei fünf Prozent. Der Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist seit 2019 dagegen von fast 92 auf gut 42 Prozent Marktanteil gesunken.

Fazit: Chinesische Autohersteller haben das Potenzial der Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer voll erkannt. „Um die Elektromobilität voranzubringen, setzen die Chinesen auf verschiedene Mittel. Auch eine klassische Brückentechnologie“, sagt Haase. „Und sie werden ihre neuen EREVs bald sicher auch in anderen Teilen der Welt anbieten.“ Das sollte den Europäern zu denken geben. Vielleicht ist die Zeit nach mehr als zehn Jahren dann tatsächlich reif für ein Comeback der Range Extender bei uns. Und es geht bald richtig los mit der Elektromobilität in Deutschland.

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