Hohe Leistung bedeutet nicht gleich hoher Verbrauch

Sechs Liter auf 100 km. Diese Einheit versteht jeder Autofahrer sofort. Weiß auf Anhieb, ob das viel oder wenig ist. Komplizierter wird‘s da schon bei gasbetriebenen Fahrzeugen. Da wird der Verbrauch nämlich in Kilogramm gemessen. Und wie sieht‘s bei Elektrofahrzeugen aus? Wer weiß da schon, welcher Antrieb effizient ist und welcher nicht? In der Regel nur die Besitzer der E-Cars. Und in was wird überhaupt gemessen?

Fakt ist: Auch bei Elektroautos gibt es große Unterschiede bei Verbrauch und Reichweite. Die Reichweite hängt natürlich direkt vom Stromverbrauch ab. Und wie viel Strom ein E-Car tatsächlich verbraucht, ist ganz entscheidend dafür, ob es wirtschaftlich betrieben werden kann. Oder ob es teurer wird als bei einem vergleichbaren Benziner, Diesel oder Gasfahrzeug. Eins fällt bei den meisten E-Mobilen sofort auf: Sie verfügen über eine sehr hohe Leistung. Doch muss das sein? Und was bedeutet das für den Verbrauch? JATO Dynamics ist der Sache mal auf den Grund gegangen, wie die Elektromotoren die Effizienz von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) beeinflussen.

Ein direkter Vergleich von Fahrzeugen ist jedoch nicht ganz einfach, da in den Modellen mit unterschiedlicher Motorisierung häufig auch unterschiedlich große Akkus verbaut werden und somit das Gesamtgewicht variiert. Das ist aber ein wichtiger Faktor für den Verbrauch. Dennoch lassen sich bestimmte Tendenzen erkennen. Die Modelle Tesla Model S, Jaguar I-Pace und E.Go Life werden bei jeweils gleichem Gesamtgewicht mit unterschiedlich starken Motoren angeboten. Den Tesla kann man mit 562 und 796 PS haben. Beachtlich: Der Verbrauch des stärkeren Model S mit immerhin 42 Prozent mehr Leistung fällt lediglich um 3,6 Prozent höher aus. Den Jaguar I-Pace gibt es mit 320 und 400 PS (+25 Prozent). Der Stromverbrauch ist jedoch bei beiden Varianten gleich. Kurios wird es beim E.Go Life. Der wird mit 56 und 78 PS (+39 Prozent) angeboten. Doch das Fahrzeug mit der höheren Leistung verbraucht ganze 12,2 Prozent weniger Strom.

E.Go Life: Dank LED-Licht 17 km mehr Reichweite

Beide E.Go Life-Modelle haben das gleiche Leergewicht und die gleiche Akkukapazität. Aber die 78 PS-Version hat zwei Zoll größere und ein Zoll breitere Räder, wodurch der Rollwiderstand zunimmt – und damit eigentlich der Energieverbrauch steigen müsste. Doch der fällt um mehr als zwölf Prozent geringer aus, wodurch die Reichweite um 14 Prozent oder 17 km zunimmt. Wie kann das sein? Verantwortlich sind die Scheinwerfer. Der schwächere E.GO Life hat Halogenlicht, während das stärkere Modell stromsparende LED-Lampen bekommt.

Ein anderes Beispiel ist der Audi E-Tron. Dessen 313 PS-Modell gibt es in drei Ausstattungslinien: Basis, „Advanced“ und „S Line“. Neben der Motorleistung ist auch das Gesamtgewicht bei allen drei Linien exakt gleich. Dennoch ist der Stromverbrauch unterschiedlich. Bei der Basisvariante liegt er bei 21,4 kWh auf 100 km, bei den beiden anderen Linien bei 22,5 kWh/100 km. Und das bedeutet eine 23 km geringere Reichweite. Der Grund dafür sind die Räder, die bei der Basisvariante ein Zoll kleiner und 0,5 Zoll schmaler ausfallen. Das Gesamtgewicht nimmt ebenfalls Einfluss auf den Verbrauch. Beispiele hierfür sind Fiat 500, Ford Mustang Mach-E, Opel Zafira oder Mercedes EQV. Bei allen Modellen gibt es mehrere Versionen mit unterschiedlichem Gesamtgewicht bei gleicher Motorleistung. Hier gilt: Alle Modelle mit dem höheren Gewicht haben auch einen höheren Verbrauch.

Es müssen also andere Faktoren als die Motorleistung sein, die für den Verbrauch ausschlaggebend sind. Um das besser zu verstehen, muss man sich das Verhältnis von Motorleistung, Batteriekapazität und Energieverbrauch anschauen. Die Kapazität einer Batterie wird in Kilowattstunden (kWh) gemessen. Hat ein Akku z. B. eine Kapazität von 100 kWh, kann ein E-Motor eine Stunde lang eine konstant gleichbleibende Leistung von 100 Kilowatt (kW) erzeugen, bevor der Akku leer ist. Autos benötigen jedoch nur fürs Beschleunigen eine hohe Leistung. Rollt das Fahrzeug erst mal, braucht es deutlich weniger Leistung, also auch weniger Strom, um die bereits erreichte Geschwindigkeit zu halten. Hat ein Motor eine höhere Leistung, bedeutet das lediglich, dass das Fahrzeug potenziell schneller beschleunigen und eine höhere Endgeschwindigkeit erreichen kann. Die Reichweite lässt sich jedoch durch die Fahrweise beeinflussen. Wird moderat beschleunigt, sorgt das also auch bei starkem Motor für einen geringeren Verbrauch.

Mit dem Stromverbrauch von Elektrofahrzeugen verhält es sich also ähnlich wie mit dem Kraftstoffverbrauch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor: Die Fahrweise ist ein großer Faktor! Sicherlich ist das Durchdrücken des Gaspedals bei Fahrzeugen mit hoher Leistung verlockender als bei Fahrzeugen mit geringerer Leistung. Der stärkere Motor an sich bedeutet aber nicht zwangsläufig einen höheren Verbrauch. Neben der Fahrweise gibt es weitere Faktoren, die der Fahrer nicht beeinflussen kann. Da wären zum Beispiel das Gesamtgewicht des Kfz, der Rollwiderstand oder auch energieschluckende Features wie Klimaanlage, Sitzheizung oder veraltete Technologien wie Halogenscheinwerfer. All dies sind Faktoren, die sowohl den Kraftstoffverbrauch von Verbrennungsmotoren als auch den Stromverbrauch von Elektrofahrzeugen negativ beeinflussen können.

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