Elektromobilität braucht noch Incentives

Neue Regierung, neue Pläne und neue Ziele. Der Vorsatz fürs neue Jahr für den Automobilmarkt: Nicht weniger als 15 Millionen Elektroautos sollen bis 2030 auf Deutschlands Straßen fahren. Ein solches Ziel war schon 2010 ambitioniert, als die damalige Regierung eine Million E-Cars bis 2020 unters Volk bringen wollte. Das Ergebnis ist bekannt. Mit ihrem klaren Fokus auf mehr Umweltpolitik verlängert jetzt die neue Regierung die Kaufprämien für E-Cars um ein weiteres Jahr bis Ende 2022. Die Hoffnung: Elektroautos weiterhin für die Endkunden attraktiv zu halten und damit die Zulassungen anzukurbeln. Doch wie haben sich die Incentives im letzten Jahr entwickelt? Und wie haben sich im Verhältnis dazu die Zulassungen verändert? JATO Dynamics hat sich die Zahlen für den Zeitraum zwischen Januar und Oktober einmal genauer angeschaut und einen Vergleich zu Italien und Frankreich gezogen, um zu sehen, ob die Incentivierung wirklich funktioniert.

Deutschland ist ein konstantes Förderungsland

Wer aktuell in Deutschland ein vollelektrisches Fahrzeug (BEV) kauft, bekommt dafür einen Zuschuss, der je zur Hälfte von den Herstellern und vom Staat gezahlt wird. Seit Beginn der Coronapandemie hat die Regierung den staatlichen Anteil sogar noch durch eine Innovationsprämie verdoppelt. Heißt: Käufer eines Elektroautos mit einem Netto-Listenpreis bis zu 40.000 Euro bekommen bis zu 9.000 Euro erstattet.

Was bei der deutschen Incentive-Entwicklung auffällt: Obwohl es die „Hürde“ gibt, dass die Prämie erst nach Kauf und Zulassung bei der zuständigen Stelle BAFA beantragt werden kann, ist die Höhe der Incentivierung sehr konstant geblieben – wie die Zulassungszahlen. Die Förderprämie bewegt sich im Betrachtungszeitraum unabhängig von den Zulassungszahlen immer rund um etwa 30 Prozent.

Ein Sondereffekt ist allerdings in allen Märkten auffällig: Jeweils zum Quartalsende gibt es mal mehr, mal weniger starke Ausschläge. So verkauft Tesla zum Beispiel im letzten Monat des Quartals im Vergleich zu den beiden Vormonaten derzeit drei Viertel seiner Fahrzeuge, vor allem des Modell 3. Mit dieser Verkaufsstrategie hebt sich Tesla von den anderen Herstellern ab und sorgt für den starken Peak in den Zulassungen.

Je niedriger die Incentives, desto niedriger das Interesse

In Frankreich und Italien sieht man einen klaren Zusammenhang zwischen Nachfrage und Incentivierung. Bei unseren Nachbarn im Westen bekamen Autokäufer im Jahr 2020 einen Umweltbonus von 7.000 Euro bei einem Kaufpreis bis 45.000 Euro. Im Juli 2021 wurde die Prämie dann um 1.000 Euro gesenkt. Die Folge: Zusammen mit dem niedrigeren Zuschuss brachen auch die Verkaufszahlen der BEVs ein.  Mit einem Schlag sank der Verkauf von 12.000 Fahrzeugen im Juni auf etwa 4.000 im Juli. Erst im September hatte sich der Markt mit mehr als 10.000 verkauften E-Autos wieder einigermaßen erholt.

In Italien erhalten die E-Auto Käufer einen Betrag von bis zu 6.000 Euro beim Kauf eines BEV mit einem Nettopreis unter 50.000 Euro. Weitere 2.000 Euro Zuschuss für BEVs waren zusätzlich möglich. Vergleichbare Einbrüche beobachten die Analysten in Italien am Ende des dritten Quartals.  Mit dem Ausbleiben der Subventionen sausten auch die Zulassungen in den Keller. Das italienische Incentive-System speist sich aus einem großen Topf, der für dafür zur Verfügung steht. Dieser Topf ist aktuell leer, es stehen keine Gelder mehr zur Verfügung.

Die Kurve lässt aber auch auf ein geringeres Interesse an E-Cars in Italien schließen. Der Elektromobilität fehlt es hier ganz offensichtlich an Überzeugungskraft. Interessant bleibt zu beobachten, wann die Kauffreude und in welchem Ausmaß wieder anzieht.

Spannend wird auch zu sehen, wie sich die Begeisterung der Deutschen für E-Cars entwickelt, sobald der Zuschuss Ende 2022 ausläuft. Der Wille, weiterhin auf emissionsfreie Mobilität umzusteigen, wird maßgeblich bestimmen, ob die neue Bundesregierung ihr Ziel von 15 Millionen E-Autos dieses Mal einlösen kann.

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