Europa auf dem Elektrotrip

Noch bis vor kurzem befand sich die Elektromobilität in Europa – mit Ausnahme von Norwegen – in einer Art Dämmerzustand. Reichweitenangst und Technikskepsis waren die Hauptgründe für die Zurückhaltung. Auch die Autonation Deutschland bevorzugte weiter traditionelle Antriebe. Von den von der Bundesregierung vor zehn Jahren angekündigten eine Million Elektroautos, die bis 2020 bei uns fahren sollten, wurden seither gerade einmal knapp 260.000 zugelassen.

Wie man dagegen ein Land höchst erfolgreich elektrisiert, lässt sich in China beobachten; und diese Messlatte liegt sehr hoch. Die Regierung hat mit klaren Ansagen und finanziellen Anreizen dafür gesorgt, dass das Reich der Mitte innerhalb weniger Jahre zum größten Markt für E-Fahrzeuge wurde. Eine klare Strategie. Doch die – Autogipfel hin, Klimaziele her – fehlt in Europa bis heute. Aber es ist Bewegung in die Sache gekommen und in vielen europäischen Ländern sind mittlerweile signifikante Veränderungen festzustellen. Bereits seit Anfang des Jahres steigen die Zahlen. In China und in den USA dagegen verliert die Begeisterung für E-Autos an Schwung. Die chinesische Regierung hat ihre Unterstützung zum Kauf von Elektrofahrzeugen zurückgefahren – 2022 soll sie ganz auslaufen.

Norwegen ist Europameister

2020 dürfte als Wendepunkt in der Entwicklung der E-Mobilität in Europa gelten. Während der Anteil an Diesel- und Benzinfahrzeugen um jeweils 40 Prozent zurückging, legten die E-Cars gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ordentlich zu. Batterieelektrische Autos (BEV) um 53, Hybride (HEV) um 32 und Plug-In-Hybride (PHEV) sogar um 161 Prozent. Allein in Deutschland wurden im September mehr als 21.000 E-Autos angemeldet – zweieinhalb Mal so viele wie ein Jahr zuvor.

Doch Spitzenreiter in Europa ist nach wie vor Norwegen, das bereits seit den 1990er Jahren systematisch elektromobil macht. Das Land verzeichnete 2019 mit 60.400 Einheiten die höchsten Zulassungszahlen an BEVs. Das entspricht 42 Prozent des Gesamtmarktes. Aber das könnte in diesem Jahr noch übertroffen werden. Allein bis August waren es bereits 38.600 Einheiten und verglichen zum Vorjahr stieg der Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtmarkt in den ersten acht Monaten von gut 35 auf fast 40 Prozent. Den Plan, 100.000 Elektroautos bis 2020 auf die Straße zu bringen, hatte Norwegen schon 2018 übertroffen.

Konkurrenzfähig? Erst bei gleichen Kosten!

Weitere europäische Länder versuchen nachzuziehen. So legte der EV-Marktanteil etwa in den Niederlanden von 6,5 auf fast 9 Prozent zu, in Schweden ging es von 4,5 auf 7 Prozent nach oben. Hohe Ziele weiterhin auch in Deutschland: Bis 2030 will man beeindruckende 10 Millionen Elektrofahrzeuge an die Ladesäulen bringen, von denen dann eine Million installiert sein sollen. Von den im Sommer beschlossenen 130 Milliarden Euro Konjunkturpaket für die Zeit nach Corona soll ein beträchtlicher Teil zur Unterstützung der Elektromobilität eingesetzt werden. Auch Frankreich will den staatlichen Zuschuss für den Kauf eines Elektrofahrzeugs erhöhen – von 6.000 auf 7.000 Euro. Einen wirklich signifikanten Anteil am europäischen Neufahrzeugmarkt erreichen E-Autos aber wahrscheinlich erst dann, wenn deren Gesamtbetriebskosten mit denen der Verbrenner vergleichbar sind. Doch der europäische Markt wächst – den Nachhaltigkeitszielen sei Dank – bereits in einem solchen Tempo, dass es immer wahrscheinlicher wird, dass Europa in Zukunft China überholen könnte.

Das Bild zeigt zwei Balkendiagramme. Das erste Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der Zulassungen verschiedener Antriebsarten. Das Zweite Diagramm zeigt die Verteilung der Marktanteile bei Elektrofahrzeugen im Europavergleich. Vorreiter ist Norwegen.

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